Sie sind gelb und flauschig und ein neuer Aufgabenbereich für die Bewohner des Julius-Itzel-Hauses. Die Sprache ist von 24 Küken die am Dienstag in der Bruchsaler Caritasfacheinrichtung für Wohnungslose Menschen geschlüpft sind. Nicht nur die Klienten freuten sich über die Ankunft der kleinen Federviechlein, auch Manfred Pabst, Leiter der Werkstatt, war von den Ereignissen angenehm angetan. „Das ist für mich das erste Mal, dass ich so einen ganzen Brut- und Schlüpfprozess miterleben konnte,“ schwärmt Pabst, der mit den Bewohnern zusammen die Jungtiere betreut.
Zwar ist es nicht das erste Mal, dass im Julius-Itzel-Haus Jungtiere geboren werden und auch vor fünf Jahren machte die Einrichtungen Schlagzeilen durch die Rettung einiger Hühner aus einer Legebatterie, doch die jetzigen Neuankömmlinge sind besondere Tiere. Es handelt sich dabei um Sundheimerhühner, eine aus dem badischen Sundheim und Umgebung heimische Haustierrasse, die vom Aussterben bedroht ist. „Als ich 2004 damit anfing Hühner zu züchten, gab es hiervon nur noch 800 registrierte Hühner,“ erklärt Jochen Most, der beim Caritasverband Bruchsal in der Gemeindepsychiatrie arbeitet. Über sein Engagement bei der Freien Ökologischen Demokratischen Liste in Oberhausen-Rheinhausen kam er auf die Idee sich für diese Rasse zu entscheiden und brachte auch die Eier, den Brutkasten und den fachkundigen Beistand ins Julius-Itzel-Haus.
„Bernd“ (Name von der Redaktion geändert) ein 51-jähriger gelernter Landwirt, der zur Zeit im stationären Bereich der Einrichtung wohnt, wurde beauftragt die Eier täglich während der Brutzeit zu drehen. Stolz blickte er beim Schlüpfen auf die quirligen Küken, die sich um die noch nicht geschlüpften Artgenossen tummelten. Ein bisschen aufgeregt sei er schon, denn als Landwirt habe er immer nur mit Rindern und Schweinen zu tun. Zusammen mit Manfred Pabst kümmern er und weitere Bewohner sich demnächst um die Hühner, versorgen sie mit Futter und Wasser, bauen einen Stall für sie und sammeln natürlich auch die Eier für den Eigenbedarf der Hausbewohner ein.
„Für unsere Bewohner ist das schon eine wichtige Aufgabe,“ erklärt Manfred Pabst die „tages-strukturierende Seite“ des Projektes. „Sie bekommen einen Bezug zu den Tieren, übernehmen Verantwortung, müssen sich regelmäßig mit der Pflege und Aufzucht auseinandersetzen und lernen, wie man mit so einer Aufgabe umgeht.“ Vor allem für die jüngeren Bewohner (jeder sechste Bewohner im Julius-Itzel-Haus ist unter 25 Jahre alt) sieht Pabst hier wichtige Ansätze und Zugänge in der Betreuung.
„Diese Haustierrasse eignet sich besonders für so ein Vorhaben,“ erklärt Most, der am Dienstag morgen im Julius-Itzel-Haus vorbeischaute und weitere Tipps und Anleitungen gab. „Sie ist schnellwüchsig, hat eine gute Nutzung in Fleisch und Eiern und ist leicht mästbar.“ Dass ein Teil der Hühner, Hähnen und deren Nachkommen im Suppentopf landen, ist auch den Bewohnern klar. „Das gehört eben dazu,“ meint Bernd, der sich fortan mehr mit der Verabreichung von Kükenkorn, Kamillentee und Streu beschäftigen wird. Um den Fortbestand zu sichern, wird man versuchen, die Zucht fortzuführen. Dann haben die Ziegen, die sich bereits im Tierareal des Hauses befinden, auch langfristig Gesellschaft.
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Tipps über die Aufzucht der frisch geschlüpften Hühner gibt Hobbyzüchter Jochen Most (rechts) an Manfred Pabst (mitte) und Jürgen Freiburger vom Julius-Itzel-Haus weiter.

Warten auf die Geschwister |