Fünf Jahre Bruchsaler Tafel – (k)ein Grund zum Feiern

„Sehr geehrte Mitarbeiter des Bruchsaler Tafelladens,… wir bedanken uns bei Ihnen für den guten Umgang mit älteren und kranken Menschen…“ Ulrich Ellinghaus und das Tafelteam sind stolz auf diese Zeilen. In einer Gratulationskarte kamen die dankenden Worte in der Bruchsaler Tafel an, unterzeichnet von den 70- bis 90-jährigen Tafelkunden.


„Die älteren Kunden dürfen bei uns vor allen anderen einkaufen und können über den Seiteneingang den Laden mit ihren Einkäufen ungehindert verlassen ohne sich durch die wartende Menge durchschlängeln zu müssen,“ erklärt der ehrenamtliche Leiter der Tafel. „Viele von ihnen haben Gehhilfen und würden in der Menge keine Chance haben, an die Produkte zu kommen. Sie sind uns dafür sehr dankbar und vergessen auch kein Jubiläum!“


So auch in diesem Jahr nicht, denn heuer wird der Laden in der Karlsruher Straße 20 fünf Jahre alt. Ein großes Jubiläumsfest wird es aber nicht geben, so Ellinghaus. „Wir haben einfach zu viel zu tun. Immer mehr Menschen sind auf die Tafeln angewiesen, unsere Filialen haben leider Hochkonjunktur.“ Zudem sei ein Tafelladen generell ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft und an sich kein Grund zu feiern, auch wenn die Bruchsaler Tafel inzwischen „äußerst erfolgreich“ ist. Denn seit 2005 ist sie – „leider“ wie die Betreiber sagen - auf vier Lebensmittel- und eine reine Kleiderausgabestelle angewachsen.


In Kirrlach, Mingolsheim und Philippsburg werden bereits die Waren, die in Bruchsal zentral sortiert werden, an Bedürftige, die einen Tafelkundenausweis besitzen, ausgegeben. Fast alle Filialen führen inzwischen auch Second-Hand-Kleider und kleine Haushaltswaren, in Mingolsheim werden diese in der „Klamotte“ angeboten, die auch zur Bruchsaler Tafel gehört. Die Bruchsaler Tafel ist ein Gemeinschaftsprojekt der Arbeitsgemeinschaft der Tafelläden im Landkreis Karlsruhe bestehend aus dem Caritasverband Bruchsal, dem Deutschen Roten Kreuz (Kreisverband Karlsruhe) und dem Diakonischen Werk im Landkreis Karlsruhe.


Insgesamt haben die Filialen inzwischen über 1400 Ausweise ausgegeben. „Wir versorgen somit 4200 Personen im nördlichen Landkreis Karlsruhe,“ weiß Ellinghaus, der in Bruchsal mit zirka 40 Ehrenamtlichen, sogenannten „Ein-Euro-Jobbern“ und Freiwilligen den laufenden Betrieb bestreitet, zu berichten. Dass die Bedürftigkeit auch in der Region Bruchsal zunimmt ist unumstritten und bringt auch ganz andere Probleme mit sich. So ist die Bruchsaler Tafel schon seit über einem Jahr auf der Suche nach einem größeren, zentral gelegenen und günstig zu mietenden neuen Verkaufsraum. „Idealerweise sollte der neue Laden leicht mit dem ÖPNV zu erreichen sein und genug Fläche für den Lebensmittel- und den Non-Food-Second-Hand-Verkauf bieten,“ erklärt Ulrich Ellinghaus. „Gerade für unsere älteren Kunden ist eine gute Erreichbarkeit besonders wichtig.“ Und auf seine rührigen älteren Kunden möchte er auf keinen Fall verzichten. „Sollten wir bald ein geeignetes Ladenlokal in Bruchsal finden, dann feiern wir vielleicht das fünfjährige Jubiläum mit.“ Bis dann steht aber die Versorgung der älteren und bedürftigen Kunden im Vordergrund.


Wer die Arbeit der Tafel finanziell unterstützen möchte, kann unter dem Stichwort „Tafelladen“ auf das Spendenkonto 4987 bei der Sparkasse Kraichgau (BLZ 663 500 36) eine Spende überweisen. Ehrenamtliche Mitarbeiter sind immer willkommen. Nähere Information erteilt das Tafelteam unter (0 72 51) 3 06 55 91.

Nach fünf Jahren herrscht immer noch großer Andrang in der Bruchsaler Tafel. Ein Jubiläumsfest wird es vorerst nicht geben. Der „Erfolg“ der Tafel ist schließlich ein Armutszeugnis für die Gesellschaft.

2010-07-06 Fünf Jahre Bruchsaler Tafel