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Stand: 16.10.2014

Pressemitteilung

Gemeindepsychiatrie

Kunst bekämpft Krankheit

Leute schauen sich verschieden Kunstwerke und Bastelarbeiten an

Bruchsal (cvr). Filigrane Glaskunst, raffinierte Grußkarten, Papiersterne und -tiere, Schmuck und Mandalas stehen und liegen auf den Tischen in der Cafétas, Gemälde bunte Kleidung hängen an den Wänden, der Duft von Kartoffeltorte und Apfelkuchen vermischt sich mit den Akkordeonklängen.
Was anmutet wie ein kleiner Hobbykünstlermarkt ist tatsächlich der Versuch psychisch erkrankte Künstler und "gesunde" Menschen über Kunst ins Gespräch zu bringen. "Ein Abend mit Kunst und Genuss" hat die Gemeindepsychiatrie des Caritasverbandes die kleine, feine Ausstellung zum Welttag der Seelischen Gesundheit genannt und das Konzept ging auf.

Bereichsleiterin Eva Zagermann bittet zum Austausch und stellt die These auf, das psychische Erkrankungen vielleicht sogar mehr Kreativität freisetzen als "normale" künstlerische Inspiration.
Zwar ist es schwierig in dem überfüllten Café sich locker darüber zu unterhalten und alle Exponate anzuschauen, doch es beeindruckt zutiefst welche kreativen Werke hier geschaffen wurden. Als Caritas Mitarbeiterin Tatjana Fischbach das Herbstgedicht einer Besucherin der Tagesstätte für psychisch erkrankte Menschen vorliest, wird es mucksmäuschenstill in der Cafétas. Danach erntet Akkordeonspieler Anel  Smajic, der mit Polka und bekannten Liedern die Stimmung setzt, tosenden Applaus. Markus Ritz zeigt stolz seine Bilder, ebenso wie Nicola Dragosavljevic.

Auch Sabine Weise stellt kolorierte Bleistiftzeichnungen aus. Es ist nicht das erste Mal, dass sie ausstellt, aber die 57-jährige schätzt die lockere Atmosphäre in der Cafétas. Zehn Jahre lang kämpfte sie mit Psychosen und all den Problemen, die eine Alleinerziehende sowieso meistern muss. "Manchmal ist man schon geächtet, wenn klar wird, dass man eine psychische Erkrankung hatte", so die Künstlerin, die schon seit ihrer Kindheit gemalt hat. Vor wenigen Tagen erfuhr sie das wieder bei einem Jobinterview.

Das Gespräch wurde abgebrochen sobald klar war, dass sie vor Jahren krank war, obwohl sie seit 17 Jahren stabil ist. Unverständnis, Berührungsängste, falsche Bilder von psychisch erkrankten Menschen in den Köpfen der "gesunden" - dagegen kämpft Sabine Weise, die sich auch als Psychiatrie erfahrene Patientensprecherin beim Gemeinde-Psychiatrischen-Zentrum (GPZ) Bruchsal engagiert. "Die Vorurteile gegen psychisch erkrankte Menschen müssen abgebaut werden. Wenn das über Kunst geht, umso besser." Bei den Kunst- und Maltherapien ihrer langen Klinikaufenthalte lernte sie "die Farben in mir wieder aufzuwecken" und sich selbst durch Malen zu beruhigen und "das Grübeln abzuschalten".

Ihr sehnlichster Wunsch ist, dass "gesunde" Menschen sich nicht scheuen auf psychisch erkrankte Menschen zuzugehen und deren Fähigkeiten - und nicht die Krankheit - im Vordergrund zu sehen.
Über die Möglichkeit in der Cafétas auszustellen freute sie sich ebenso wie die anderen Künstler, die alle anwesend waren und sich über den regen Kontakt mit den interessierten Besuchern freuten.