75 Jahre Caritas Bruchsal

MIt der Suppenküche fing alles an

Caritas Bruchsal Gruppenbild 1947Die Belegschaft des Caritasverbandes Bruchsal bei der Flüchtlingswallfahrt 1947 im St. Paulusheim. Sitzend von rechts: Theodor Gerling, Direktor Georg Oberle und Ewald StorkCaritas

Es ist kein Zufall, dass die Gründung des Caritasverbands Bruchsal mit dem schwärzesten Tag der Stadtgeschichte zusammenhängt. Die Bombardierung am 1. März 1945 hatte rund Dreiviertel des Wohnraums zerstört, die Not war allgegenwärtig. Die erste Abhilfe: Eine Volksküche im Hof des St. Paulusheims, in der täglich 150 Mittag- und Abendessen ausgegeben wurden. "Die Stunde der Caritas ist da" titelte die BNN rückblickend am 15. März 1946, als eine zweite Volksküche mit Speisesaal und Übernachtungsbaracken in der Weststadt (nahe des heutigen Triwo Technoparks) errichtet worden war. Mit der Jugend im Blick folgten Schülerspeisung und Erholungsfürsorge für Kinder und Mütter. Gemeinsamer Halt im Glauben gab die Flüchtlingswallfahrt, die aus den Landkreisen Bruchsal und Karlsruhe 5.000 Teilnehmer angezogen hatte. 1948 ging man über die eigenen Stadtgrenzen hinaus und betreute die Flüchtlingslager in Kislau und Östringen.

Lange war Kindererholung, Adoptivwesen und Schutzaufsichten ein Schwerpunkt der Arbeit. Mit den ersten Gastarbeitern kam 1956 Beratung für ausländische Arbeitnehmer hinzu, ab 1968 wurde "Essen auf Rädern" angeboten, 1970 startete der Sozialdienst im Bruchsaler Krankenhaus. Die Nachfrage für Beratungsstellen stieg in den 1970er Jahren an: Psychische Erkrankungen nahmen zu, die Änderung des Paragrafen 218b war der Start der Schwangerschaftsberatung, Drogen und Alkoholismus insbesondere bei Jugendlichen waren besorgniserregend. Die Sozialstation im St. Josefshaus wurde 1980 mit den evangelischen Kirchengemeinden errichtet. Ab 1985 rückte die Nichtsesshaftenhilfe stärker in den Vordergrund, 1989 übernahm die Caritas die "Wanderherberge" der Stadt, 1995 wurde das Julius-Itzel-Haus samt Fachberatungsstelle eingeweiht. Weitere Meilensteine waren etwa 1994 die Gründung des ökumenischen Hospizdiensts, 2001 die Eröffnung der Cafétas, 2005 der Tafelladen. Im Umkreis entstanden Einrichtungen wie das Jugendzentrum in Graben-Neudorf, die Oase in Odenheim, das Seniorenzentrum in Philippsburg, die Wohngemeinschaft in Oberhausen-Rheinhausen oder das betreute Wohnen in Karlsdorf-Neuthard und andere.

Auch die Verwaltung musste sich stets erweitern und umziehen: Fand die Gründung noch in der Huttenstraße 20 statt, zog der Verband 1954 gegenüber der Firma Siemens, 1956 ins Vinzentiushaus bis 1972 der Umzug in die Friedhofstraße erfolgte, wo der Verband heute noch seine Zentrale hat.

Die Aufgaben haben sich gewandelt und erweitert. Zu den 650 Angestellten kommen 400 ehrenamtliche Helfer hinzu, die sich mit viel Engagement, Wissen und Netzwerken einbringen. "Wir bleiben nah am Menschen und richten unsere Angebote an den Bedürfnissen aus", sagt Sabina Stemann-Fuchs, Vorstandsvorsitzende des Caritasverbands Bruchsal. Bedarfe gibt es genug, aber die Caritas ist nicht allein: Mit Kommunen, Landkreis und anderen Wohlfahrtsverbänden sieht man den Aufgaben der Zukunft entgegen: #weiterhelfen steht auf dem Jubiläums-Logo.

75 Jahre Caritas Bruchsal

„Heinzelmenschen“ vom Caritasverband beim Faschingsumzug in Philippburg

Mit wehenden Fahnen zogen rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Caritasverbandes Bruchsal als "Heinzelmenschen" verkleidet am 22.02.2020 durch die Straßen von Philippsburg. Begleitet von kräftigen "A-jau"-Rufen verteilten sie fleißig Kamelle an die großen und insbesondere kleinen Zuschauer. Bei blauem Himmel und Sonnenschein präsentierte sich der Caritasverband beim Faschingsumzug in Philippsburg mal auf eine ganze andere Art und Weise "nah am Menschen". Die außergewöhnliche Aktion war Teil einer Veranstaltungsreihe anlässlich des 75jährigen Jubiläums, das der Caritasverband Bruchsal dieses Jahr feiert. Unter dem Motto "#weiterhelfen" finden jeden Monat besondere Events und Veranstaltungen statt, die auf die vielfältige Arbeit des Verbandes aufmerksam machen wollen. "Wir sind heute als ‚Heinzelmenschen‘ unterwegs, weil der Gedanke des Helfens im Zentrum unserer Caritasarbeit steht" erklärt Vorstandsvorsitzende Sabina Stemann-Fuchs, die sich ebenfalls unters närrische Volk mischte. "Zu unserem Jubiläum wollen wir nicht nur auf das zurückblicken, was wir in 75 Jahren erreicht haben, sondern auch mit vielen Menschen hier im Landkreis gemeinsam feiern". Einen stimmungsvollen Ausklang fand der Tag im Seniorenhaus St. Franziskus, in dem die Badner Schalmeien mit bekannten Faschingshits auch bei den Bewohnerinnen und Bewohnern für Stimmung sorgten. Eine rundherum gelungene Aktion - da waren sich abschließend alle einig.

cvbs